Über

Eine Streitschrift provoziert, sie übertreibt, spitzt zu, ja sie kann sogar beleidigen. Es geht ihr um engagierte Parteinahme für eine Sache und Initiation einer Diskusion.

Mein Fazit: Diese Veranstaltung war erstklassiges Polittheater. SPD/Grüne haben mit der Nominierung von Gauck eine sehr clevere Falle aufgestellt - einerseits um die konservativen zu spalten, und andererseits um einen neuen Grund zu produzieren die Linke mit ewig gestrigen DDR Geschichten zu malträtieren. Die Konservativen sind schwer angeschlagen und dem SpiegelBild lesenden Prekariat kann man rote Socken verkaufen. Eine strategische Meisterleistung der Neosozialliberalen!

Der Pferdefuß ist: Das Spiel ist für verbliebene politisch interessierte, sozialdemokratische Basis der SPD einfach zu durchschauen. Den vom beständigen Umfallen der SPD/Grünen Geplagten, wird die Standhaftigkeit der Linken imponieren.

Es ist der Linken auch leidlich gelungen ihre Haltung in den Medien darzustellen und inhaltlich zu begründen. Besonders das kurze Interview von Klaus Ernst durch Deppendorf war hervorragend! Präzise, kurz und griffig. Schade dass dieses Soundbit, keine große Verbreitung in den Massen-Medien finden wird.

Gysis Pressekonferenz vor dem dritten Wahlgang war dagegen mittelmäßig. Er hätte ahnen können das die Störung des Grünenkaspers Medienpräsenz anzieht wie Scheiße die Fliegen, und in seiner Erwiderung aggressiv inhaltlich argumentieren müssen - wenige Worte hätten dafür schon gereicht: “Gauck und Wulff sind Unsozial und Kriegsbefürworter. Das macht sie für uns unwählbar.”

Statt dessen hat er nicht inhaltlich sondern machtpolitisch argumentiert (Hättet ihr vorher mit unsgeredet, hätten wir einen gemeinsamen Kandidaten gefunden). An Politiker gerichtet, ist das natürlich eine valide Nachricht, aber nur die wenigsten die dieses Soundbit hören sind Politiker - und die es sind, wissen eh was gespielt wurde.

Die Linken sind jedenfalls der Falle entgangen, der den Aufstieg der Grünen zur Volkspartei verhindert hat. Ein schöner Tag! Dafür ist sie allerdings notwendiger weise in eine andere Falle getappt.

Natürlich wird das grün und rot angemalte Bürgertum nun munter auf die Linke eindreschen, und behaupten, die Linke hätte Gauck nicht unterstützt, weil er ein Symbol der Aufklärung der Verbrechen in der DDR ist. Das ist natürlich Quatsch - meiner Meinung nach ist dieser Aspekt von Gauck das einzig positive an ihm.

Aber reicht es aus? Meiner Meinung nach nicht. Er ist ein unsozialer, kriegstreibender Mensch, der fest in der bürgerlichen Ungerechtigkeit verankert ist. Es wird sich zeigen müssen, ob die Linken es schaffen diese Haltung im Nachspiel zu kommunizieren.

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